Donnerstag, 19. März 2015

Anfang und Ende Neuseelands

Hier im Northland liegen der Anfang und das Ende Neuseelands sehr eng beisammen. Abel Tasman hatte im Dezember 1642 als wahrscheinlich erster Europäer Neuseeland erblickt, war aber nicht an Land gegangen, weil ihn die Maori sehr unfreundlich empfingen. Im Oktober 1769 war es Captain James Cook, der als erster Europäer Neuseeland betrat, und ab 1790 kamen immer mehr Europäer, einerseits um Handel zu treiben, andererseits aber auch, um sich ein neues Leben aufzubauen und Neuseeland zu ihrer Heimat zu machen. Auch Missionare kamen, und Missionsstationen wurden zu den ersten europäischen Siedlungen, vor allem eben hier heroben im Norden der Nordinsel, in der Bay of Islands.

Kerikeri
In Kerikeri war die allererste Missionsstation Neuseelands, es wird deshalb oft als "Cradle of the Nation" bezeichnet. Hier stehen zwei (für neuseeländische Verhältnisse) sehr alte Häuser, die früher Teil der Missionsstation waren, nämlich das aus Holz gebaute sogenannte Mission House oder Kemp House aus dem Jahr 1822, damit das älteste überhaupt noch stehende Haus in Neuseeland, und das Stone Store House aus dem Jahr 1832, jetzt das älteste Steinhaus Neuseelands. Das Ensemble komplett macht die St James' Church aus dem Jahr 1878. 1824 war in Kerikeri an dieser Stelle die erste Kirche errichtet worden, sie wurde durch das neue, stabilere Gebäude dann ersetzt.
St James' Church

Stone Store (weil das Gebäude, bevor es unter Denkmalschutz
gestellt wurde, unter anderem auch als Kaufladen fungierte)

Kemp House bzw Mission House

alle drei Gebäude, vom gegenüber liegenden Flussufer aus
Ansonsten aus Kerikeri zu berichten: in der Nähe gibt es den Haruru-Wasserfall; und im Zimmer in Kerikeri hatte ich ein ganz besonderes "Haustier":
Haruru bzw. Rainbow Falls

Thekla, die Gottesanbeterin; leider blieb sie in ihrer Ecke
da oben nicht lange sitzen - sie war unglaublich schnell...

...und ist überall im ganzen Zimmer umhergekrabbelt, deswegen
musste ich sie über Nacht einsperren, sonst hätte ich sie im
Schlaf, falls sie auf meinem Gesicht gelandet wäre,
womöglich unabsichtlich verletzt oder sogar getötet...

...und so konnte ich sie am nächsten Morgen im Garten in
die Freiheit entlassen; wobei ich bei genauer Betrachtung
am Ende der Meinung war, dass eine derart kleine G.A.
wohl eher ein Männchen ist - also nannte ich ihn dann Theklus

Waitangi
liegt nicht weit von Kerikeri, und ist jener Ort, in dem am 6. Februar 1840 der erste Vertrag zwischen Maori und Briten zustande kam. Obwohl dieser Vertrag noch nicht besonders ausgefeilt war, obwohl es einige Unterschiede zwischen der englischen und der maorisprachigen Fassung gibt, und obwohl ihn nicht alle Maori-Häuptlinge unterzeichnet haben, gilt er dennoch gemeinhin als Anfang und als Gründungsurkunde Neuseelands, Waitangi gilt als Geburtsort Neuseelands. Jedes Jahr wird der 6. Februar als "Waitangi Day" in Neuseeland gefeiert - sozusagen der Nationalfeiertag.
riesiges Faksimile des Vertrages

das Haus des ersten Gouverneurs, James Busby, in dem der
Vertrag unterzeichnet wurde, deshalb heute "Treaty House"

ein geschnitztes Maori-Versammlungshaus, das 1940 dem
Gelände hinzugefügt wurde, der Ausgewogenheit halber

das längste Schlacht-Kanu der Welt, Ngatokimatawhaorua,
35m lang, mit Platz für 76 Maori-Krieger; 1974 ernannte
Queen Elizabeth das Kanu zu einem HMS, es ist also jetzt
Teil der Royal Navy
Ngātokimatawhaorua


Cape Reinga
Von Waitangi und Kerikeri ist es nicht mehr weit zur Nordspitze Neuseelands, Cape Reinga. Hier hatte ich das Ende Neuseelands erreicht, das nördliche Ende. Am südlichen Ende (Slope Point) und am östlichen Ende (East Cape) war ich auf meiner ersten Reise bereits gewesen. Jetzt fehlt mir also noch das westliche Ende, dann habe ich alle vier. Die Enden des neuseeländischen Festlandes, wohlgemerkt, kleinere Inselchen gibt es darüber hinaus immer noch...
Cape Reinga liegt am Ende einer langgezogenen Halbinsel, parallel zur Autostraße verläuft im Westen ein 104 Kilometer langer Sandstrand, der Ninety Mile Beach.

Außer Sand und Meer gibt's hier nicht viel... Moment, stimmt nicht ganz, in der Dünenlandschaft zwischen dem Strand und der Autostraße leben wilde Pferde!
Und ein hübsches kleines Schneckenhäuschen habe ich am Strand gefunden:
Weiter nördlich, kurz vor dem Cape Reinga, gibt es in Te Paki riesige Sanddünen. Die sind bei Touristen und Ausflugsbussen sehr beliebt, denn dort kann man mit entsprechenden Boards auf den Dünen runterrutschen. Auf den letzten drei Bildern sind Leute drauf, die gerade eine Düne hinaufwandern. Dabei sieht man dann erst, wie groß die Düne in Wirklichkeit ist...



Wenige Kilometer weiter hat man es dann erreicht, das Ende Neuseelands. Cape Reinga, das ist für viele, die schon Bilder davon gesehen haben, ein Leuchtturm. Wenn man genau ist, ist es ein Kap, ein Leuchtturm, und eine Bucht:
Der Leuchtturm liegt kurz vor dem Kap rechts, wie man hier sieht. Er wurde erst 1941 errichtet, vorher stand an anderer Stelle ein Leuchtturm. Auf jeden Fall pilgern hierhin die Massen der Touristen. Laut Wegweiser ist man hier ein bisschen mehr als 18.000 Kilometer von London entfernt:


Gleich unterhalb dieses Leuchtturms liegt eine Bucht mit einem Felsen und einem darauf wachsenden Baum. Dort ist ein Heiligtum für die Maori. Sie glauben, dass die Seelen ihrer Toten durch den Baum in die "alte Heimat", Hawaii, zurückkehren.


Auf dem Kap selber gibt es nicht mehr viel zu sehen, nach Norden hin fast nur mehr Wasser. Fast, denn erstens gibt es da noch die Three Kings Islands, die dann wirklich das Nördlichste sind, was Neuseeland zu bieten hat, und es gibt im Wasser Wirbel, dort, wo der Pazifik und die Tasman-See auf einander treffen.
Und nach Westen hin ist das Van Diemen-Kap. Hier stand früher der Leuchtturm, auf der vordersten größeren Insel, von 1879 bis 1941 versah er seine Pflicht.





Pukenui
hieß der Ort, in dem ich nach dem Besuch von Cape Reinga genächtigt habe. Das war eigentlich dann schon auf der Rückkehr, der Fahrt zurück nach Süden. Was es in Pukenui gibt? Nun, strahlend weißen Sandstrand, ein sehr altes Motel, einen schönen Ausblick von diesem in den darunter liegenden Hafen, und nachts so wenig Beleuchtung, dass ich es hier geschafft habe, ein Bild vom Kreuz des Südens am nächtlichen Sternenhimmel zu machen.
Henderson Bay - einer der weißen Strände

die Felsen am Strand sind eindeutig vulkanischen Ursprungs

das Motel, in einem Haus aus dem Jahr 1891;
in den Zimmern gab es keine Steckdosen...

Pukenui Wharf

hauptsächlich Fischerboote


das Kreuz des Südens - Nachtaufnahme mit langer Belichtung,
deshalb nicht sehr scharf geworden


für die, die es auf dem obigen Bild noch nicht gesehen
haben, hier ganz deutlich - sorry für die krakeligen Kreise,
mit der freien Hand bin ich auf Photoshop nicht soooo gut...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen