Der Vistadome ist ein Zug, mit dem ich heute von Cusco hierher nach Aguas Calientes gefahren bin. Es war ein seltsamer Tag - ich musste um 6h aufstehen, denn der Vistadome fährt nicht von Cusco, sondern von dem winzigen Ort Poroy, der 15km von Cusco entfernt ist, ab. Also muss man zuerst mal ein Taxi nehmen, das einen nach Poroy bringt. Im Hostel war der Strom ausgefallen, packen und auschecken musste ich im Halbdunkel. Es war übrigens das erste Mal auf dieser Reise, dass ich nur mit leichtem Gepäck reiste, der große Koffer blieb im Hostel in Cusco, nur der Rucksack und die Laptop-Tasche kamen mit.
Dann, in Poroy angekommen, musste ich zunächst mal im Bahnhof für den Zug "einchecken", mit Passkontrolle...
Der Pass wird dann noch zweimal kontrolliert - zusammen mit dem Ticket natürlich. Der Zug kostet 85 US-Dollar für die Hinfahrt und 88 US-Dollar für die Rückfahrt, das ist ein Durchschnittspreis von ca. 68 Euro, für eine Richtung, wohlgemerkt.
Dafür kriegt man was geboten, der Vistadome hat seinen Namen deshalb, weil man auch nach oben Fenster hat. Es wird wie im Flugzeug eine Mahlzeit serviert:
das ist, um genau zu sein, das Abendessen bei der Heimfahrt (ich schummle nämlich hier ein bisschen mit dem Datum, ich schreibe diesen Eintrag ja 2 Tage zu spät...). Bei der Hinfahrt haben wir ein Frühstück bekommen. Hier gab's "peruanisches Popcorn" (geröstete Maiskörner), Physalis, Kokoskuchen, und eine Gemüse-Empanada. Dazu Té negro con leche.
Eine kleine Auswahl der Getränke "an Bord", grünes peruanisches Cola, Bier aus Cusco, und Mineralwasser. Erstes und letztes stammen von der Coca Cola-Company! Zwei der Flaschen sind von mir, eine von meinem Sitznachbarn, einem netten jungen Mann aus Hong Kong. Wer traut sich raten, was ich NICHT getrunken habe?
Einige andere Unterhaltungen im Zug waren zweisprachige Erklärungen der Umgebung, durch die wir gerade fuhren, Andenkenverkauf, eine Modeschau (natürlich auch mit anschließendem Verkauf von Kleidung aus Alpaca-Wolle) sowie eine Tanzvorführung.
Das lenkte nur bedingt davon ab, dass dieser Zug für 92 Kilometer drei Stunden und 45 Minuten brauchte. Das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht einmal 25 km/h.
Es war das erste Mal, dass ich in einem Zug war, der Zick-Zack fuhr, und zwar, um einen Höhenunterschied von 40 Metern zu überwinden.
Der Seltsamkeiten nicht genug, kommt man in Aguas Calientes am Touristenbahnhof an - es gibt auch einen Einheimischenbahnhof, dort kommen die Züge mit Einheimischen an. Und es ist Touristen bei Strafe verboten, in einem Zug für Einheimische zu fahren. Die sind auch um ein Vielfaches billiger...
Die Fahrt durch das Tal des Urubamba führt zuerst zweieinhalb Stunden lang durchs Anden-Hochgebirge, per Ansage wurde mal ein Berggipfel mit 5700 Meter erwähnt (Veronica?),
es gibt einen planmäßigen Halt in Ollantaytambo,
und danach wird die Gegend für die letzten eineinhalb Stunden immer dschungelartiger, teils sieht man aus dem Zugfenster schon Mauern, die die Inka erbaut haben.
Auf der Brücke über den Urubamba kurz vor Ollantaytambo,
und hier schaut's fast so aus, als ob vor kurzem gewählt wurde in Peru...
AGUAS CALIENTES
Der Ausgangsort für die Busfahrt zum Machu Picchu. Nur mit Zug erreichbar. Und außer dem Machu Picchu (und heißen Quellen, darum der Name) hat dieser Ort auch nicht wirklich viel zu bieten. Zwei Übernachtungen hier, das hätte nicht sein müssen...
Aguas Calientes ist, wie Cusco, in die Berge hineingebaut worden, der Unterschied ist halt, dass hier nichts steht, was älter als 50 Jahre ist, würd ich mal schätzen, hier gibt es fast nichts außer Restaurants, Geschäfte, Touristenbüros, Hostels und Massagesalons.
Wenn man den Bahnhof verlässt, wird man gleich auf eine harte Probe gestellt, denn man kommt in das labyrinthartige Gewirr des Mercado Artesanal. Ich hab nicht mehr rausgefunden und ein englisches Paar um Hilfe gebeten. Ihr Rat war, immer bergauf zu gehen. Das half.
Das Wetter ist in Aguas Calientes anscheinend sehr wechselhaft, wir hatten jeden Tag anfangs Sonnenschein, so ab Mittag wurde es aber immer regnerischer, und täglich gab es auch mindestens einen Wolkenbruch. Diesen hier am ersten Tag habe ich schon vom Hostel aus bewundern können.
Auf dem Hauptplatz, der nicht Plaza de Armas, sondern Plaza Manco Capác heißt, begrüßt eine Statue von Pachacuteq die Gäste.
Mitten durch den Ort läuft ein Flüsschen, das von den Bergen herunter kommt,
und, im rechten Winkel dazu, ein Gleis der Peru-Rail.
Wie üblich gibt's hier auch einen Mercado Central,
und dort findet man endlich das Denkmal für ihn: Manco Capác, den Ur-Inka.
Den Namen "Aguas Calientes" findet man hier eigentlich nirgends.
Die Hauptstraße des Ortes, die Calle Pachacuteq,
und an vielen Ecken Livemusik - natürlich peruanische Weisen. Was mich daran erinnert, dass wir im Zug auch mit "Andenmusik" beschallt wurden - jede Viertelstunde mindestens einmal "El Condor Pasa". Den Ohrwurm hab ich immer noch.
Seltsames Ende eines an Seltsamkeiten reichen Tages: bis zum Einbruch der Dunkelheit gab es, wie in Cusco, so auch in Aguas Calientes keinen Strom. Als ich nachfragte, sagte man mir im Hostel, dass der Strom im ganzen Landkreis Cusco ausgefallen sei und man nicht wisse, bis wann es wieder Elektrizität gäbe. Nicht einmal ein Handynetz hatte ich deshalb. Ich hatte mir schon bei Kerzenlicht die Zähne geputzt, als um 19h55 dann doch das Licht anging - begleitet von lauten Rufen der Kinder auf der Straße: "Luz!" Und siehe da, plötzlich ging auch das Handy wieder. Aber Internet hatte ich keines, das wurde in meinem Hostel entgegen meiner Hoffnungen nicht geboten.
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